Skip to content
LotSeekr
This auction has ended. Browse similar active lots below.
Niclas Bille — Schützenpokal Kurfürst Johann Georgs II. von Sachsen
Lot 307
Sold

Description

Schützenpokal Kurfürst Johann Georgs II. von Sachsen Silber, teilweise vergoldet. Auf eingezogenem Standring der konische Becher mit profiliertem Lippenrand. Die Wandung mit großen, fein ziselierten Barockblumen um das getriebene Monogramm Johann Georgs II. mit Kurhut; gegenständig eine Darstellung des Herkules mit dem Fell des Nemeischen Löwen; aus den Wolken einen Lorbeerkranz empfangend. Unter dem Lippenrand graviert: Zum Hauptgewinst beym Ersten Zweckschoss Beym FriedensDanckfest MDCLXXIX". Der aufgewölbte Deckel mit entsprechendem Dekor und einem großen, später ergänzten Kugelknauf als Bekrönung. Unter dem Boden graviertes Monogramm AE T G VR, datiert Ao. 1682. Marken: BZ Dresden für das 17. Jh, MZ Niclas Bille (erwähnt 1676 - 1687, Rosenberg Nr. 1659, 1768). H 23 cm, Gewicht 525 g. Dresden, Niclas Bille, 1679. Nach dem Friedensschluss von Nimwegen und dem Ende des französisch-niederländischen Krieges ließ der sächsische Kurfürst am 8. und 9. November 1679 ein großes Schützenfest mit Feuerwerk veranstalten. Das "Herkules-Schießen" entsprach ganz der prunkvollen barocken Festkultur am Dresdener Hof Johann Georgs II., der es als Patron der Veranstaltung verstand, sich selbst als tugendhaften, Frieden stiftenden Helden, gewissermaßen als Sächsischen Herkules, zu präsentieren. Die 71 geladenen Gäste waren aufgefordert, sich bei verschiedenen Wettschießen auf bewegliche Figurinen der neunköpfigen Hydra, des Zerberus, des Zentauren und des Drachen Ladon zu messen. Mit engem Bezug zur griechischen Mythologie waren auch die kostbaren Schießpreise gestaltet. Der Schütze, der als Sieger aus der jeweiligen Disziplin hervorging, erhielt einen kunstvoll gearbeiteten, silbervergoldeten Deckelpokal, den der Kurfürst bei seinem Hofgoldschmied Niclas Bille in Auftrag gegeben hatte. Die Deckelbekrönung bildete jeweils eine plastische Figur aus der Herkules-Sage. Ein fünfter Pokal, mit dem Helden selbst auf dem Deckel, wurde als Preis für das Kranzschießen ausgelobt; unter dem Lippenrand fand sich bei allen Pokalen eine gravierte Gedächtnisinschrift auf das 'FriedensDanckfest'. Selbst der schlechteste Schütze erhielt als Spottpreis eine silberne Statuette des Herkules mit geschultertem Wildschwein. Die von Bille signierten Entwurfszeichnungen haben sich im Sächsischen Staatsarchiv erhalten. Der vorliegende, 1679 als 'Erster Zweckschoss'-Preis verliehene Pokal trug ursprünglich die Hydrafigur als Deckelbekrönung und ist offenbar der einzige, der die Zeitläufte überstanden hat. Er befand sich noch 1914 als Leihgabe des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen in der Sammlung des Museums für Kunsthandwerk in Leipzig und lässt sich anhand historischer Fotos zweifelsfrei identifizieren. Nach dem Tod des Fürsten 1928 entschlossen sich die Hohenzollern, dessen Kunstsammlung zu veräußern. Das Städel Museum in Frankfurt erwarb sie geschlossen mithilfe eines Konsortiums aus deutschen Museen, Kunsthändlern und Privatsammlern, die im Gegenzug Objekte aus dem Konvolut auf eigene Rechnung erwerben konnten. Zu den privaten Geldgebern gehörte auch der jüdische Frankfurter Anwalt Julius Lehmann, der sich mit 100.000 Reichsmark am Konsortium beteiligte und dafür elf Stücke für die eigene Sammlung entnehmen durfte - darunter der vorliegende Schützenpokal, den der Sammler bei seiner frühzeitigen Emigration 1933 über die Schweiz in die USA ausführen konnte, und der noch bis vor kurzem im Besitz der Familie blieb. Die Figur der Hydra, die sich nicht erhalten hat, wurde vom letzten Besitzer durch einen Kugelknauf ersetzt. Provenienz: - Ehemals Sammlung Fürst Wilhelm von Hohenzollern-Sigmaringen (1864 - 1927); - 1928 Sammlung Prof. Dr. Julius Lehmann, Frankfurt am Main (1884 - 1951, emigriert in die Schweiz 1933, in die USA 1941), danach in Familienbesitz; - 2025 versteigert Clars Auctions, Oakland USA; - niederländische Privatsammlung. Ausstellungen: Deutsches Barock und Rokoko, Jahrhundert-Ausstellung deutscher Kunst 1650 - 1800, Darmstadt 1914, als Leihgabe des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen. Literatur: Ausst.-Kat. Georg Biermann, Deutsches Barock und Rokoko, Leipzig 1914, Abb. S. 359, dort noch mit der originalen Deckelbekrönung. Der Pokal erwähnt bei Rosenberg, Nr. 1768 b. Vgl. auch Walter Holzhausen/Edmund Kesting, Prachtgefäße Geschmeide Kabinettstücke, Goldschmiedekunst in Dresden, Tübingen 1966, S. LXXI., sowie Uta Deppe, Die Festkultur am Dresdner Hofe Johann Georgs II. von Sachsen, Kiel 2006, S. 226 ff. Zu Julius Lehmann vgl. Anja Heuß, Die Sammlung Julius Lehmann, in: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg, 2015. Zum Ankauf der Objekte im Städel Museum vgl. 'Verzeichnis der Herrn Dr. Julius Lehmann aus der Sigmaringer Sammlung zuerteilten Gegenstände', Städel Archiv, Frankfurt, St.A. 753.
📋Silber › Pokal › Becher

Niclas Bille — Schützenpokal Kurfürst Johann Georgs II. von Sachsen

Sold12 Sept 2026

Final Price

31.750 €

Total incl. fees: 31.750 €

Bid on Kunsthaus Lempertz

Lot Details

Lot #
307
Currency
EUR
Location
Köln, DE
Lot Ends
20 May 2026, 18:00:00
Auction Ends
20 May 2026, 18:00:00
Lots in Auction
275

More from this auction

Similar Lots